Wer war Augustin ?

 

Augustin N. ("Lieber Augustin"), * 1645, + 11.3.1685 Wien (angebl. 3, Nikolaifriedhof), Bänkelsänger, Sackpfeifer, Stegreifdichter. Der "Liebe Augustin", wie er in der Sage genannt wird, soll 1679, von den Pestknechten für tot gehalten, als er sich nach ausgiebigem Zechen auf dem Heimweg befunden hatte, in eine Pestgrube bei der Kirche St. Ulrich geworfen worden sein. Als er wieder Lebenszeichen von sich gab, holte man ihn heraus, und er setzte sein bisheriges Leben fort. Im städtischen TBP (Totenbeschauprotokoll) ist sein Tod vermerkt, anstelle seines Zunamens jedoch nur ein "N." eingetragen. Bereits zeitgenössische Quellen (darunter eine offizielle Publikation) nehmen auf den gesund der Pestgrube entstiegenen Augustin Bezug.

Das bekannte Lied "Oh Du lieber Augustin"

augustin.mp3 (156 KB)

liedtext.doc (26 KB)

kam erst um 1800 nach Wien (aus: Czeike, Felix: Historisches Lexikon Wien, Kremayr & Scheriau, 1992

Das Lied ist 1678 in Wien entstanden, als Pestzüge noch einmal über Europa zogen. Bei der Pest in Wien 1679/80 kam ein Viertel der Bevölkerung um (vgl. Schimitschek/Werner 1985, S.120).

Eine zeitgenössische Schilderung der Pest in Wien stammt von Johann Konstantin Feigius (1694). Er berichtet auch über den Bänkelsänger Augustin:

"... Zu Wienn aber hörte man nunmehr kein anderes Lied singen, als dieser ist gestorben, dieser stirbt, vnnd jener wird bald sterben, denn in der Stadt waren schon allbereit 300 Häuser gesperret, welche völlig ausgestorben, vnnd ob in beyden Latzareten schon täglich eine große Menge Leuthe begraben worden, so wuchse doch die Zahl der Inficirten darinnen so groß, dass sich zuweilen auf die 3.000 vnnf mehr Personen hinauß ersteckte, so waren auch vmb die gantze Stadt herumb fast alle Lust- vnnd Wein-Gärten, Gässen vnnd Straßen mit Toten- vvnd Kranken Leuten angefüllet, ja sogar dass man nicht Leuth genug haben kunte, die Toten vnter die Erden zu bringen, vnnd daher es bisweilen geschahe, daß mit dem Tode allebreit Ringenden, auff Wägen vnter die Todten geleget vnnd mit einander in die hierzu gemachte Gruben geworffen worden, als wie einem, Namens Augstin, der ein Sack-Pfeiffer gewesen, welcher zwischen der Kays. Burg vnnd St. Ulrich auf selbigem Weg wegen eines starken Rausches gelegen vnnd geschlaffen hat, begegnet ist. Dieser Mensch ist von denen Siechknechten ohne einiges Vermerken auf den Wagen in Ansehung, daß Er die böse Krankheit hätte, geladen, nebenst anderen Todten weggeführt, vnnd in eine Gruben geworffen worden. Weilen man aber die Cörper nicht eher mit Erden verschüttet, biß besagter Mensch, nachdem Er die gantze Nacht vnnder den Todten ohne Aufhören geschlaffen, erwacht, nicht wissend wie ihm geschehen, oder wie er möge dahin kommen seyn, hat auß der Gruben hervorsteigen wollen, solches aber wegen der Tieffen nicht zuweg bringen können, weßwegen Er dann auf den Toten so lang herumb gestiegen, vnnd überaus sehr geflucht, gescholten vnnd gesagt hat: wer Teufel ihn dahin mußte gebracht haen, biß endlich mit anbrechendem Sonnenschein die Siechknechte mit toten Leuten sich eingefunden, vunnd ihm herrauß geholfen haben.
So hat ihm dieses Nachtlager auch nicht das wenigste geschadet."

(Johann Konstantin Feigius, Wunderbarer Adlers Schwung, Wie 1694)